Warum macht der Tod uns Angst?

geschrieben am: 21.11.2018 von: Margit Schürmann
Kategorie(n): Psychologie & Lebenshilfe

Warum macht der Tod uns Angst?

Bildrechte: © Sandy Mokros

Immer wieder erlebe ich in meinem Umfeld und in den Sitzungen Menschen, die große Angst vor dem Tod haben. Um eines vorwegzunehmen, nein, vor dem Tod selbst habe ich keine Angst, allenfalls vor dem Wie (ich sterbe). (Aber daran arbeite ich noch.) 🙂

Manche Menschen haben einen tiefen Glauben. Sie glauben an ein Leben nach dem Tod, oder an Wiedergeburt. Andere sehen es spirituell. Wir sind alle verbunden, nichts geht verloren. Unsere Seele ist unsterblich und macht Erfahrungen auf der Erde. Und wiederum andere glauben an nichts. Der Tod ist das Ende. Schluss. Aus.

Der Umgang mit dem Tod ist, meines Erachtens, in dieser Gesellschaft etwas, das man besser verschweigt. Leider. Wie können also Menschen in einem Hospiz arbeiten? Wie in einem Pflegeheim? Woher haben sie ihre Kraft? Woran glauben sie? Als ich meine Ausbildung zur Trauerbegleiterin machte, ist mir bewusst geworden, WIE eng Leben und Tod miteinander verwoben sind. Das eine ist ohne das andere nicht denkbar. Gibt es überhaupt das eine und das andere, oder ist es eins? Leben =Tod und Tod = Leben? Und wenn ich von dieser Ausbildung erzähle, kann kaum einer verstehen, dass ich dabei so viel gelacht habe, wie lange nicht. Vielleicht denkst du jetzt, „was ist daran lustig“? Es war lustig. Und es war auch traurig, denn ich habe auch viel geweint. Das ist das Leben.

Meine Überzeugung ist es, dass wir in einer anderen Welt sterben, um in diese geboren zu werden. Und wir müssen in dieser Welt sterben, um in der anderen Welt wieder geboren zu werden. In einer Welt, in der es nur Licht und Liebe gibt. Und ich glaube auch, dass es nichts gibt, wovor wir uns fürchten müssen. Das erklärt vielleicht auch, warum manche Menschen mit einem Lächeln sterben – weil sie das Licht sehen, die Liebe spüren.

Auch wenn du vielleicht nicht an ein Leben nach dem Tod glaubst, oder dass alles mit allem verbunden ist, ist es nicht ein sehr tröstlicher Gedanke?
Worüber ich auch des Öfteren nachdenke, ist nicht die Frage nach einem Leben nach dem Tod, sondern gibt es ein Leben vor dem Tod? Wenn ein geliebter Mensch stirbt, haben Hinterbliebene manchmal große Angst. Der Tod ist so endgültig für sie. Der Gedanke, dass etwas unwiederbringlich zu Ende ist – kaum auszuhalten für viele. Steckt dann vielleicht die Angst dahinter, dass ich mein Leben nicht so lebe, wie ich sollte/möchte? Wir verschieben so vieles auf später. Irgendwann werde ich mal…! Geht es hier in Wirklichkeit um verpasste Chancen? Wann ist irgendwann? Und was ist, wenn das Irgendwann nicht mehr kommt? Warum warten wir darauf, dass das Leben irgendwann beginnt? Es ist schon voll im Gange. Jetzt. Hier.

Bei einem Coaching wurden einmal Papiermaßbänder von einem Meter Länge verteilt. Jeder sollte dieses Maßband an der Zahl des eigenen Alters abschneiden.
Wenn man 20 Jahre alt ist, hat man dann noch ein 80cm langes Maßband, ist man jedoch 60 Jahre alt, bleiben noch 40cm. (Vorausgesetzt wir würden 100 Jahre alt werden.)

Spüre einmal in dich hinein, macht dir dieser Gedanke Angst? Wie lang ist dein verbleibendes Maßband und wie möchtest du die letzten „Zentimeter“ deines Lebens füllen?

Ich möchte mit diesem Artikel niemandem Angst machen, sondern ein Plädoyer für das Leben halten. Das Leben findet jetzt statt. Es findet auch dann statt, wenn man in einer langen Schlange vor der Kasse steht oder im Stau. Es findet statt, während ich bei der Arbeit bin und es findet statt, wenn jemand stirbt.

Ich wünsche mir, dass mehr Menschen das Leben leben, das sie leben möchten, dass sie sich nicht von Äußerlichkeiten oder vom wirklich Wichtigen ablenken lassen und ich wünsche mir, dass die Menschen erkennen, dass nicht Konsum das Leben lebenswerter macht, sondern die Liebe.

Margit SchürmannAutorin:
Margit Schürmann
Heilpraktikerin für Psychotherapie

zum Profil

Um unsere Webseite für dich optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies und Analysetools. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmst du der Verwendung von Cookies und Analysetools zu. Weitere Informationen darüber findest du in unserer Datenschutzerklärung.